Projektwoche „Luther und seine Zeit“ an der Christlichen Münster Schule

Montagmorgen im Doberaner Münster. Gregorianische Gesänge erfüllen den Raum. Hundertsechzig Kinder sitzen in den Bänken und lauschen der fremdartigen Musik. „Das kling toll, aber auch ein we-nig gruselig“, flüstert Tahoe seinem Banknachbarn zu.


Die Andacht mit der mittelalterlichen Musik war Auftakt zur Projektwoche „Luther und seine Zeit“ vom 16.-20. Oktober an der Christlichen Münster Schule (CMS) in Bad Doberan. Vor 500 Jahren stellte ein junger Augustiner-Mönch die christliche Welt auf den Kopf. Vom Papst entkommuniziert und vom Kaiser für vogelfrei erklärt, rüttelte Martin Luther an den Grundpfeilern der katholischen Kirche. Seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel hatten eine große Wirkung, und nach der Reformation war nichts mehr wie zuvor. Eine Woche lang gingen die Kinder der Münster Schule Geschichten und Ereignissen rund um Luther und dessen Zeitalter nach.

lutherrose
So malten die Erst- und Zweitklässler Lutherrosen, stellten Buchstaben und Duftbeutel her. Die Dritt- und Viertklässler beschäftigten sich mit Wissenschaft und Kunst im Wandel vom Mittelalter zur Renaissance und der Bedeutung und den Werken von Columbus und Kopernikus, Michelangelo und Albrecht Dürer. In der Gruppe zum Thema „Buchdruck“ bauten die Kinder eine Druckmaschine aus Pappkarton, Toilettenpapierrolle und Trinkröhrchen. Im „Klostergarten“ kochten die jungen Gärtner Tee aus Salbei, Kamille und Brennnessel und stellten eine Heilsalbe aus Ringelblumen und Honigwaben her. Andere zeichneten „Luthers Leben auf des Landstraße“ nach, indem sie eine große Karte der Lebensstationen Luthers anfertigten. Das Malen von Portraits und Signaturen im Stil von Lucas Cra-nach wurde in der Gruppe „Malerei: Wie man in Bildern lesen kann“ geübt. Die Fünft- und Sechstklässler bauten Burgen, Städte, Dörfer und Luthers Heim als Model zum Thema „Städtebau“ oder erforschten Luthers Wirken an verschiedenen Orten in der Gruppe „Mit Luther unterwegs in deutschen Städten“. Dabei duftete es im Haus nach Muskat und Kräutern, denn eine Gruppe wollte „Futtern wie bei Luttern“ und kochte Lombardische Möhrensuppe mit Fladenbrot und Kräuterbutter.


Lernen in der Projektwoche ist vielfältig und kooperativ. Die Kinder haben nicht nur gelernt, was eine Kukulle und eine Tonsur ist, sondern auch, dass im Beinhaus des Münsters gar keine Knochen aufge-stapelt sind und dass man beim Drucken der Initialen die Buchstaben spiegelverkehrt aus der Kartoffel schneiden muss. Sie haben erfahren, woran Menschen im Mittellalter glaubten (z.B. dass das hei-lige Einhorn mit seinem Horn Gifte unschädlich machen konnte), was für ein Mensch Martin Luther war und wie Kinder damals aufwuchsen. Die Ängste der Kinder damals und heute scheinen sich dabei nur wenig zu unterscheiden. Fürchteten sich die Kinder zu Luthers Zeiten vor Hunger, Krieg, Pest, Sünden und dem Teufel, sorgen sich Kinder heute um Krieg, Terror, Naturkatastrophen und Unfälle. Auch Langeweile, eine „kaputte Natur“, das Ausserben von Tieren und Politik sind Themen, die die Kinder heute beschäftigen. „Wenn man etwas Böses tut, dann bestraft Gott einen dafür“, wusste Freja (7) über das Mittelalter zu berichten. Aber Martin Luther hat gemerkt, dass Gott kein böser Gott ist, sondern ein Gott, der den Menschen wohlgesonnen und zugeneigt ist.

Projektwoche Luther Foto 2
Schließlich erfuhren die Kinder auch, woher die Formulierung „Halt die Klappe!“ kommt. Die Mönche begannen ihre Gesänge und Gebete morgens um drei. Müde standen sie im Gestühl, die Sitzflächen nach oben geklappt, wobei auch mal einer einschlief. Dann rutsche er von seinem Stuhl und die „Klappe“ fiel mit lautem Gepolter herunter. Da zischte ihm sein Nachbar schon mal zu „Halt die Klappe.“

 

Die Ergebnisse der Projektwoche sind derzeit im Münster zu besichtigen.


Geneviève Susemihl

   
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